Uncategorized

Sie haben den Verdacht auf Glutenunverträglichkeit? Oder bereits die bestätigte Diagnose? Wir möchten umfassend informieren und zu einem besseren Umgang mit der Unverträglichkeit beitragen.

Diagnose

Diagnose

Glutenfreie Ernährung

Glutenfreie Ernährung

Therapie

Therapie


 
 
 

Wenn Getreide krank macht: Glutenunverträglichkeit

GetreideBei einer Glutenunverträglichkeit (auch Glutenintoleranz genannt) reagiert der Dünndarm auf das Klebereiweiß vieler Getreidesorten mit Entzündung und anschließendem Rückgang der Schleimhaut. In der Schulmedizin spricht man in so einem Fall von der Zöliakie.

Im Folgenden erhalten Sie die wichtigsten Informationen zu Ursachen, Symptomen, Diagnose, bis hin zum weiteren Vorgehen bei einer bestätigten Glutenunverträglichkeit kompakt dargestellt.

Der Aufbau des Dünndarms und seine Funktion

Der Dünndarm folgt im Verdauungstrakt dem Magen. Er teilt sich in den Zwölffingerdarm, den Leerdarm sowie den Krummdarm auf und ist insgesamt zwischen vier und sechs Meter lang. An den Dünndarm schließt sich der Dickdarm an.

In den Dünndarm gelangt über den Magen der Nahrungsbrei, aber auch weitere Verdauungsenzyme über Zuführungsgänge aus der Leber und Bauchspeicheldrüse. Der Dünndarm hat die wichtige Aufgabe, dem vorverdauten Nahrungsbrei alle Nährstoffe zu entziehen, die der menschliche Körper zum Leben benötigt.

Damit möglichst viele Nährstoffe aufgenommen werden können, hat die Evolution einen Trick angewendet und die Oberfläche der Dünndarmschleimhaut um ein Vielfaches vergrößert. Zum einen ist die Oberfläche durch bis zu einen Zentimeter hohe Falten, den Kerckring-Falten, bereits um das dreifache vergrößert. Zum anderen befinden sich auf diesen Falten weitere Ausstülpungen, die Zotten, und Einstülpungen, Krypten genannt, die etwa einen Millimeter hoch sind. Auf jeder Zelle von Zotten und Krypten wiederum finden sich bis zu 4.000 Zellfortsätze, die Mikrovilli genannt werden. Durch Kerckring-Falten, Zotten, Krypten und Mikrovilli erreicht der Dünndarm so eine Resorptionsfläche von bis zu 240 Quadratmetern.

Neben der Nährstoffaufnahme fällt dem Dünndarm die wichtige Aufgabe zu, dem Nahrungsbrei Flüssigkeit zu entziehen, die sich aus der Nahrung, Speichel, Galle, Sekrete des Magens und Dünndarm zusammensetzt. Etwa neun Liter durchlaufen täglich den Darm, werden zum Teil resorbiert und dem Kreislauf wieder zugeführt.

Symptome der Glutenunverträglichkeit

Verträgt ein Mensch kein Gluten, das Klebereiweiß vieler Getreidesorten, kommt es bei anhaltender Aufnahme zu einer chronischen Entzündung der Dünndarmschleimhaut. Dadurch verkleinern sich sowohl Mikrovilli als auch Zotten, teilweise fast bis zum totalen Verlust. Der Dünndarm kann seine Aufgaben nun nicht mehr zufriedenstellend ausführen: Nährstoffe sowie Flüssigkeit werden nicht ausreichend aufgenommen.

SymptomeDies äußert sich beim Betroffenen mit voluminösen Fettstühlen und Durchfällen. Durch die mangelnde Nahrungsverwertung verliert er außerdem an Gewicht. Weitere Mangelsymptome sind Ödeme, Blähungen, Anämien oder Schwäche. Da auch Vitamine nicht ausreichend aufgenommen werden, können sich Nachtblindheit, trockene Haut (beide Vitamin A), Knochenstoffwechselstörungen (Vit. D) oder eine erhöhte Blutungsneigung (Vit. K) einstellen.

Die Ausprägung der Krankheit ist von Mensch zu Mensch verschieden. Einige Betroffene reagieren nur leicht auf aufgenommenes Gluten, andere reagieren äußert stark. In den meisten Fällen sind Frauen von einer Glutenunverträglichkeit betroffen. Häufig macht sich die Krankheit schon im Kindesalter bemerkbar; die Kinder leiden bei einer unbehandelten Zöliakie zusätzlich an Wachstumsstörungen mit dünnen Extremitäten und dickem Bauch. Bricht sie erst im mittleren Alter aus, fällt auf, dass die Betroffenen auch in der Kindheit häufig mit Verdauungsbeschwerden zu tun hatten. Oft tritt parallel zu einer Glutenunverträglichkeit eine Laktoseintoleranz auf.

Die Diagnose der Glutenunverträglichkeit

Bei der Diagnose sind in erster Linie die Beschwerden und Vorgeschichte des Betroffenen sowie die körperliche Untersuchung wichtig. Besteht eine familiäre Häufung von Glutenunverträglichkeit, kann eine kurzzeitige glutenfreie Ernährung erste Hinweise darauf geben, ob Zöliakie vorliegt. Da aber nicht jeder Dünndarm schnell auf eine Änderung reagiert, ist eine gleichbleibende Verschlechterung keine Ausschlussdiagnose.

DiagnoseDer nächste Schritt wäre der Nachweis von Antikörpern. Üblicherweise bestimmt man Antikörper gegen das Gliadin aus dem Getreide sowie Autoantikörper, die gegen Autoantigene im Bindegewebe der Skelettmuskeln, dem Endomysium, gerichtet sind. Der Antikörpertest ist sehr einfach mit einem Buttropfen aus der Fingerspitze zu Hause selbst durchzuführen. Test-Einheiten für den Heimtest bekommen Sie hier Partnerlink.

Wird der Verdacht durch Anamnese und Antikörpertest bestätigt, kann noch eine Dünndarmbiopsie erfolgen, um die Veränderung der Darmzotten zu ermitteln. Dabei wird mittels einer Magenspiegelung eine Gewebeprobe vom Beginn des Dünndarms entnommen. Diese Probe wird histologisch unter dem Mikroskop untersucht. Ausschlaggebend für die Diagnose Zöliakie ist die Zahl der vorhandenen Entzündungszellen, die Länge der Zotten sowie der Zustand der Mikrovilli.

Beschwerden verschwinden durch Diät

Die einzige sichere Methode, um die Zöliakie und die damit auftretenden Beschwerden zu lindern beziehungsweise zum Verschwinden zu bringen, besteht in der Meidung von glutenhaltigen Lebensmitteln, wie Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Dinkel. Die Atrophie der Dünndarmzotten bildet sich mittels dieser Maßnahme bei 90 Prozent der Betroffenen zurück.

Bei dieser Form der Ernährung sind fast alle herkömmlichen Brote und Backmischungen nicht erlaubt. Gut sortierte Bäckereien haben aber häufig glutenfreie Brote und Brötchen im Angebot. Erlaubt sind außerdem Produkte, in denen Reis, Mais, Hirse, Buchweizen, Soja oder Kartoffeln verarbeitet sind. Gemüse, Früchte, Fleisch, Fisch und Eier sind kein Problem. Eine große Auswahl glutenfreier Lebensmittel findet man auch bei spezialisierten Online-Supermärkten.

Brot

Oft geht mit einer Glutenunverträglichkeit eine Laktoseintoleranz einher. Wer auch davon betroffen ist, sollte daher auch Produkte meiden, in denen Milchzucker enthalten ist. Neben Milchprodukten ist dies bei Backwaren, Fertiggerichten und -soßen, Eis, Schokolade, Wurst und auch Müsli der Fall.

Da Gluten in vielen Fertigprodukten als Emulgator versteckt ist, empfiehlt es sich, möglichst selbst mit Naturprodukten zu kochen. Inzwischen sind im Handel aber auch glutenfreie Fertiggerichte erhältlich. Eine Liste mit glutenfreien Nahrungsmitteln ist bei der Deutschen Zölliakie-Gesellschaft erhältlich.

Bei vielen Patienten ist bereits wenige Tage nach der Ernährungsumstellung eine Besserung der Symptome bemerkbar. Es können aber auch mehrere Monate bis hin zu einem Jahr vergehen, bevor eine Veränderung sichtbar wird. Gerade wenn eine Verbesserung nicht schnell vom Betroffenen bemerkt wird, werden Diätfehler gemacht, also auf glutenhaltige Lebensmittel zurück gegriffen. Jede glutenhaltige Mahlzeit bewirkt aber eine erneute Veränderung der Dünndarmschleimhaut.

Medizinische Details

Für alle, die sich intensiver mit der Thematik auseinandersetzen möchten, haben wir hier einen Vortrag, der 2012 in der Universitätsmedizin Mainz gehalten wurde. Zwei Professoren referieren über Glutenunverträglichkeit und ihren Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen. Man lernt hier sehr viel über die Hintergründe der Zöliakie.